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ROTKLEE XVI - DIE SCHÖNHEIT DES EINFACHEN
Ausstellung in Putbus ist noch bis zum 06.08.2017 zu sehen

Günther Haußmann DIE SCHÖNHEIT EINFACHER WAHRHEITEN • 2017 • Installation Walter G. Goes, Meersuite, 2016, Fotografie
Matthias Langer, KERZEN IM SCHWARZLICHT, 2017, analoge Fotografie, Langzeitbelichtung
Klaus Böllhoff • GOLDIGES WESEN • 2017
Jorinde Gustavs • GRAUES QUADRAT und SCHLAFENDE TIERE • 1996 • Textcollagen
Frank Otto Sperlich EIN STÜCK SEE • 2017 Acryl auf LW
Günther Haußmann DIE SCHÖNHEIT EINFACHER WAHRHEITEN • 2017 • Installation   

Schwieriges mit einfachen Worten auszudrücken ist die hohe Kunst der Rhetorik. Gilt das sinngemäß auch in der Bildenden Kunst? Ist mit dem Schwarzen Quadrat das Letzte gesagt? In einem zunehmend komplexeren Weltgeschehen ist Sehnsucht nach dem Einfachen eine Folge. Aber: Gibt es immer einfache Antworten? All das auszuloten ist das Thema dieser Ausstellung.

Noch immer gilt: Schönheit ist eine zutiefst im menschlichen Sein verankerte Sehnsucht. Einfachheit hingegen das Bestreben, mit geringen Mitteln eine größtmögliche Aussage zu erreichen. Schönheit und Einfachheit sind somit gewichtige Positionen in der Bildenden Kunst. Fast jeder Künstler versucht irgendwann, diese Merkmale in seinen Werken zu vereinen. Gleichwohl greift es zu kurz, wollte man das als Ziel der Kunst (v)erkennen. Aber der Rezipient, der Betrachter, der Kunstfreund finden sich in ihrer Sehnsucht nach Schönheit in solchen Kunstwerken, fern vom Mainstream und dem Kunstmarkt als anlageträchtige Option, am ehesten wieder. 24 KünstlerInnen von Nardevitz bis Toulouse sind der Einladung der ROTKLEE-Macher Walter G. Goes, Frank Sperlich und Günther Haußmann gefolgt.

Auszüge aus der Begrüßung von WALTER G. GOES:
Es geht um die SCHÖNHEIT DES EINFACHEN, aber auch um deren Infragestellung, um eine Demaskierung, um eine Hinterfragung. Es ist unsere 16. ROTKLEE-Ausstellung. Wie die Zeit vergeht und mit ihr die Vielfalt von Ausstellungen. Waren es zu Beginn noch Ausstellungen eines Viert-Künstler-Verbundes, mit nur je einem Gast wie Klaus Staeck, Volkmar Herre, Horst Janssen, Rainer Goerss, Lothar Fischer, Max Uhlig und Joachim Daerr,- folgten bald mehrere Gäste, mitunter gern gesehene Wiederholungstäter. Heute sprengt die Beteiligung fast unsere neuen Räumlichkeiten, seit der 8. Ausstellung im Spätsommer des Jahres 2015 hier am Markt 10, gelegen zwischen dem Theater und dem Rat der Stadt, der zu unserem Glück kein Theater macht, sondern auch Aufgeschlossenheit, Nähe, Experiment und unser Wagnis toleriert, wohl auch schätzt.

Wir sind heute drei Künstlerkollegen einer aktiven Produzentengalerie, die wichtige Zeichen setzt und das mit Ausstrahlung weit über Rügen hinaus. Unsere Option lässt ein erweitertes Spielfeld zu, das bezieht sich auf Gäste unter der Künstlerschaft, auf Ihre geneigte Rezipientenschaft sowieso, auf immer mal wieder unterschiedliche Redner. Heute stellen außer Günther Haussmann, Frank Otto Sperlich und Walter G. Goes folgende schon bekannte Gäste aus: Neben Egon Arnold, Petra Feyerherd, Françoise Girouy, Lutz Grünke, Jorinde Gustavs, Volkmar Herre, Reiner Hofmann, Jakob Knapp, Christine Koch, Hans Werner Kratzsch, Mario Kusel, Matthias Langer, EllenNa, Esther Rappsilber, Monika Ringat, Angelica Russ, Gottfried Sommer und Hanns Studer sowie als Neuzugänge erstmals Klaus Böllhof, den wir schon von Swiene und Prora her kennen, Lotte Buch, die aus Hirschburg kommt und einen schönen künstlerischen Einstand zuvor in Klempenow gab, Andrea Engelmann, die auch in der Sammlung der KulturStiftung Rügen vertreten ist, Denise Girouy-Lataste, die aus Toulouse in Frankreich über ihre Schwester hierher nach Rügen fand, Peggy Skott und Ian Wiskow aus Stralsund, die den Stralsunder Kunstverein leiten und blitzgescheiht unter Strom setzen.

Auszüge aus der Einführungsrede von AGNES HEINE aus Binz:
Manche Dinge klingen und scheinen einfacher, als sie sind. Immer scheint Konzentration, das Suchen und Herausschälen einer Essenz den Arbeiten innezuwohnen. Die Verdichtung zum Beispiel auf ein vermeintlich einfaches Motiv, dann aber doch wieder dem sofortigen Zugriff entzogen, oder der Weg in die Abstraktion sind nur einige dieser Pfade zum Einfachen und Schönen. Immer wieder kehren wir bei der Frage, was schön und einfach sei, auf den Gedanken einer geklärten und konzentrierten Essenz zurück. Schon über Generationen verbinden sich Reduktion, Klarheit und Ausgewogenheit in unserer Vorstellung zu etwas, von dem wir uns Höheres, ja sogar Offenbarungen versprechen. Vielleicht liegt es daran, dass die entsprechenden Werke beim Betrachten weniger „Nebenschauplätze“ bieten und uns damit das Sich-Hinein-Versenken, eine Kontemplation erst ermöglichen.

Kein neues Phänomen, denn der Wunsch nach Klarheit überkommt Menschen immer dann, wenn sie sich in hektischen und unübersichtlichen Zeiten wiederfinden, ihren vertrauten Platz aus dem Blick verloren haben. Dann suchen wir nach Klarheit, Ausgewogenheit, dem dadurch als wahrhaftig Empfundenen als Hilfe. Einfachheit schätzen wir daher, denn vielleicht kann das Werk als unser Gegenüber einen Weg aus eben dieser Verwirrung bieten. Und so formulierte man in vielen Disziplinen auch außerhalb der Kunst diese Hoffnung:„Durch das Einfache geht der Weg zur Wahrheit.“ (Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Physiker)

Galerie ATELIER ROTKLEE
Putbus, Markt 10
Do-So, 13-18 Uhr